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Siachen-Gletscher im Detail

Siachen ist der längste Gletscher des Karakorum und der zweitlängste außerpolare Gletscher der Erde — rund 76 km Hauptstrom, abfließend ins Nubra-Tal im indischen Ladakh. Lange war er kaum besucht; seit 1984 ist er das höchstgelegene Schlachtfeld der Welt, indische und pakistanische Truppen stehen auf über 6.000 m. Diese militärische Realität prägt alles, was Besuch und Forschung angeht.

Geografie

Der Siachen verläuft etwa Südost vom Saltoro-Kamm aus zu einer Zunge im Nubra-Tal. Wichtige Nebenarme: Teram Shehr, Lolofond, Mamostong. Die benachbarten Saltoro- und Rimo-Systeme teilen sich denselben Massiv-Komplex aus Sieben- und Achttausendern.

Entdeckung

Systematisch erkundet wurde Siachen erst 1911-12 durch die Workmans — Fanny Bullock Workman und ihr Mann kartierten Tributäre und benannten Pässe. Der K2 selbst entwässert über den Godwin-Austen- Gletscher zum Baltoro und damit in den Indus, nicht zum Siachen.

Die Saltoro-Linie

Nach dem Abkommen von Shimla 1972 wurde die Kontrolllinie zwischen Indien und Pakistan nicht über den Saltoro-Kamm hinaus festgelegt. 1984 startete Indien die Operation Meghdoot und besetzte Höhenposten am Grat, Pakistan reagierte mit eigenen Stützpunkten weiter westlich. Seitdem halten beide Armeen ihre Stellungen in Höhe ohne Unterbrechung.

Klima und Massenbilanz

Der Karakorum zeigte historisch eine stabilere Massenbilanz als der Himalaya — die berühmte „Karakorum-Anomalie". Neuere Arbeiten weisen allerdings auf beschleunigtes Dünnerwerden am unteren Siachen hin. Schwerer Winterschnee bleibt, aber die Schmelze in niedrigeren Lagen nimmt zu.

Besuch (zivil)

Für Zivilisten sind nur die untersten 4 km erreichbar, und das nur in von der indischen Armee geführten Besuchen ab Siachen Base Camp in Kumar. Solche Reisen sind selten und limitiert; Genehmigungen laufen über das indische Nordkommando. Auf pakistanischer Seite gibt es keinen vergleichbaren Zugang.

Wissenschaftliche Bedeutung

Das Siachen-System gehört zu den größten Eisspeichern des Karakorum. Sein Schmelzwasser speist die Nubra und schließlich den Indus. Wegen der Zugangsbeschränkungen ist die Bodenmessung sehr limitiert, das meiste Wissen kommt aus Fernerkundung.

Umweltprobleme

Die militärische Besetzung hat dokumentierte Umweltkosten — Müll in Höhenlagern, Treibstofflecks, beschleunigte Schmelze durch Rußeintrag. Aufräumaktionen waren auf beiden Seiten unregelmäßig.

Plane deine nächste Tour

Die interaktive Karte zeigt die veröffentlichte Saltoro-Linie, bekannte Basislager und die Abschnitte, die jemals für zivile Besuche zugänglich waren.