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Gletscherbildung und Eisfliessen verstehen

Ein Gletscher ist nicht einfach ein grosser Schneehaufen. Er ist ein sich selbst organisierender Eiskorper, der unter seinem Eigengewicht fliesst — fur Besucher kaum sichtbar, aber langfristig schnell genug, um Berge zu pflugen. Das Verstandnis dieses Fliessens ist die Basis der gesamten Glaziologie.

Vom Schnee zum Gletschereis

Frischschnee hat etwa 0,05 g/cm3 Dichte — uberwiegend Luft. Hauft er sich jahrzehntelang und schmilzt nicht vollstandig weg, verdichten die unteren Schichten. Daraus wird Firn (kornig, teils verdichtet, etwa 0,5-0,8 g/cm3) und schliesslich Gletschereis (rund 0,9 g/cm3) mit zwischen den Kristallen eingeschlossener Luft.

Der Ubergang dauert in den Alpen typisch 50-100 Jahre, im polaren Eis Jahrhunderte. Einmal entstanden, kann das Eis Jahrtausende uberdauern.

Massenbilanz

Jeder Gletscher hat eine Akkumulationszone (Zugewinn) und eine Ablationszone (Verlust). Die Gleichgewichtslinie trennt sie. Die jahrliche Differenz ist die Massenbilanz: positiv = Wachstum, negativ = Ruckgang. Weltweit ist sie seit Jahrzehnten uberwiegend negativ.

Wie Eis fliesst

Eis verformt sich unter seinem Eigengewicht auf zwei Weisen:

Alpengletscher fliessen meist Dutzende Meter pro Jahr. Gronlandische Auslassgletscher konnen mehr als 10 km pro Jahr erreichen. Der Khumbu-Eisfall bewegt sich rund einen Meter pro Tag.

Tragheit gegenuber Klima

Gletscher reagieren langsam. Eine Temperaturanderung heute wirkt sich erst nach Jahren oder Jahrzehnten in der Langenanderung aus. Daher schmelzen viele Alpengletscher noch immer als Folge der Erwarmung der 1990er.

Warum wichtig

Das Fliessverstandnis erlaubt Prognosen zu Meeresspiegelanstieg, Wasserversorgung fur Milliarden Menschen und Zeitpunkten von Gletscherseeausbruchen.

Auf der Karte erkunden

Die interaktive Karte zeigt Fliessgeschwindigkeiten, Gleichgewichtslinien und Massenbilanz-Stationen jedes uberwachten Gletschers.