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Top 10 Gletscher in Pakistan

Pakistan besitzt mehr Gletscherfläche als jedes andere Land außerhalb der Polarregionen: rund 7000 Gletscher mit einer Gesamtfläche von etwa 15 000 Quadratkilometern, hauptsächlich im Karakorum, im westlichen Himalaya und im Hindukusch. Das Karakorum-Paradox — der Befund, dass mehrere Karakorum-Gletscher in der frühen Dekade des 21. Jahrhunderts stabil waren oder vordrangen, während globale Trends deutlich auf Rückzug zeigten — hat Pakistan in das Zentrum glaziologischer Forschung gebracht.

1. Baltoro-Gletscher, Gilgit-Baltistan

Länge rund 62 Kilometer, Fläche rund 524 Quadratkilometer. Talgletschertyp. Der Baltoro ist der Zugangsweg zum K2 (8611 m), dem zweithöchsten Berg der Erde. Die Trekkingexpedition zum K2-Basislager (5100 m) folgt dem Gletscher auf 60 Kilometern von Askole; Gehzeit für die Strecke je nach Kondition 6 bis 8 Tage mit Campinglagern. Concordia (4690 m), der Zusammenfluss von Baltoro und Godwin-Austen-Gletscher, gilt als schönster Hochlager-Panoramaplatz der Welt — umgeben von vier 8000er-Gipfeln (K2, Broad Peak, Gasherbrum I und II).

2. Biafo-Gletscher, Gilgit-Baltistan

Länge 63 Kilometer, Fläche rund 700 Quadratkilometer. Talgletschertyp. Der Biafo und der Hispar-Gletscher sind durch den Snow Lake (Lukpe Lawo) verbunden und bilden zusammen eine zusammenhängende Eisroute von rund 100 Kilometern — eine der längsten außerpolaren Gletscherwanderungen, die ohne technisches Klettern möglich ist (Biafo-Hispar-Traverse). Zugang ab Skardu und Askole.

3. Hispar-Gletscher, Hunza

Länge 49 Kilometer, Fläche rund 320 Quadratkilometer. Talgletschertyp. Westliches Ende der Biafo-Hispar-Route; Ausgangspunkt Nagar (Hunza Valley). Die Traverse des verbundenen Systems dauert mit Camp-Expeditionsplanung rund 15 bis 20 Tage. Der Hispar mündet nahe der Karimabad-Seite des Hunza Valley in eine proglazialen Schwemmebene.

4. Siachen-Gletscher, Gilgit-Baltistan (gesperrt)

Mit rund 78 Kilometern Länge und 1180 Quadratkilometern Fläche der längste Gletscher außerhalb der Polargebiete. Der Siachen ist Schauplatz des höchstgelegenen bewaffneten Konflikts der Welt: Seit 1984 sind der obere und mittlere Gletscher von indischen und pakistanischen Streitkräften besetzt. Das Gebiet ist vollständig für zivile Besucher gesperrt. Wissenschaftliche Expeditionen benötigen militärische Genehmigungen beider Länder, die praktisch nicht erteilt werden.

5. Batura-Gletscher, Hunza

Länge rund 57 Kilometer, Fläche rund 285 Quadratkilometer. Talgletschertyp. Einer der wenigen Gletscher, der seit der Karakoram Highway-Eröffnung (1979) für Reisende sichtbar ist — die Straße verläuft direkt an seiner Flanke. Aussichtsplätze nahe Passu auf rund 2500 m.

6. Passu-Gletscher, Hunza

Kleiner Talgletschertyp (rund 25 km) bei Passu, direkt am Karakoram Highway. Die Passu Cones — die bizarre Felszahn-Reihe über dem Gletscher — sind eines der meistfotografierten Motive Nordpakistans. Tagesausflüge auf die Gletscheroberfläche ab Passu Village möglich; kein technisches Klettern nötig.

7. Khurdopin-Gletscher, Hunza

Khurdopin ist bekannt für seine Surging-Episoden: In den Jahren 2017 bis 2019 rückte er so schnell vor, dass er den benachbarten Virjerab-Gletscher blockierte und einen Eissee staute. Surge-Gletscher beschleunigen sich plötzlich auf ein Vielfaches ihrer normalen Fließgeschwindigkeit und kehren dann in Ruhe zurück. Karakorum hat die höchste Dichte von Surge-Gletschern weltweit.

8. Chogo Lungma-Gletscher, Gilgit-Baltistan

Länge rund 46 Kilometer, Talgletschertyp. Liegt in der Masherbrum-Karakoram-Gruppe, seltener besucht als Baltoro oder Biafo. Ausgangspunkt Hushé-Tal; Teil der Routen zu den Gasherbrum-Gipfeln von der Ostseite.

9. Yengutz-Gletscher, Chitral / Hindukusch

Talgletschertyp im Hindukusch-Bereich nahe der Grenze zu Afghanistan. Wenig erforscht; einer der Gletscher, die im Chitral-Gol-Nationalpark liegen. Zugänglichkeit eingeschränkt; Sicherheitslage im Grenzgebiet beachten.

10. Yazghil-Gletscher, Hunza

Surge-Gletscher, rund 36 Kilometer lang. Liegt im Oberen Hunza nahe dem Shimshal-Pass. Der Yazghil gehört zur Gruppe der am häufigsten surgenden Gletscher des Karakorum; er hat mehrfach den Shimshal River aufgestaut und Überflutungen im Tal ausgelöst. Zugang über das Shimshal-Tal (Fahrweg ab Passu).

Das Karakorum-Paradox

Während in den Alpen und im südlichen Himalaya der Rückzug seit Jahrzehnten gut dokumentiert ist, zeigten Karakorum-Gletscher in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts stabile oder sogar wachsende Massen. Als Erklärung diskutiert die Forschung veränderte Niederschlagsmuster des Westwindsystems, das im Winter Schnee auf die Karakorum-Westflanken bringt, während das Sommertemperatursignal durch die extreme Höhe der Ablationszonen abgepuffert wird. Seit den 2010er Jahren ist auch dieser Puffer kleiner geworden; die Nettobilanz zeigt jetzt Verlust.

Zugang und Logistik im Karakorum

Das pakistanische Karakorum ist per Flug nach Skardu oder Gilgit erreichbar (PIA und AirSial ab Islamabad; ca. 1 Stunde Flug, häufig wetterbedingt verzögert). Skardu ist der Ausgangspunkt für den Baltoro-Trek; Gilgit und Karimabad (Hunza) sind Ausgangspunkte für Hispar, Batura und Passu. Der Karakoram Highway (KKH) von Islamabad nach Kashgar verbindet die meisten westlichen Gletscherziele auf Straßenniveau; die Fahrt Islamabad–Gilgit dauert ca. 14 bis 20 Stunden (oder 1,5 Stunden per Flug).

Für den Baltoro-Trek zum K2-Basislager: Die Pakistani Alpine Club-Genehmigung kostet je nach Trekking-Zone ca. 50 bis 100 USD; alle Gruppen benötigen einen zertifizierten lokalen Guide. Gepäckträger (Porters) ab Askole sind für mehrtägige Gletscher-Expeditionen zwingend. Beste Saison: Juni bis August.

Surge-Gletscher: ein einzigartiges Karakorum-Phänomen

Das Karakorum hat die weltweit höchste Dichte von Surge-Gletschern. Beim Surging beschleunigt ein Gletscher sich plötzlich auf ein Vielfaches seiner normalen Fließgeschwindigkeit — von wenigen hundert Metern auf mehrere Kilometer pro Jahr — und kehrt nach Monaten bis Jahren zur Ruhe zurück. Bekannte Surge-Gletscher: Khurdopin (Surges 2017–2019), Yazghil, Hispar. Das Phänomen ist glaciologisch noch nicht vollständig verstanden; Hypothesen beinhalten hydraulische Basisspeicher und thermisches Instabilitätsverhalten. Für Besucher bedeuten aktive Surges: Routen, die im Vorjahr dokumentiert waren, können durch frisches Surgeeis unpassierbar geworden sein.

Hunza Valley als Ausgangsbasis

Karimabad im Hunza Valley (2400 m) ist der beste Ausgangspunkt für Tagesausflüge zu Passu, Batura und Hispar. Von Gilgit sind es rund zwei Stunden per Jeep auf dem Karakoram Highway. Karimabad hat eine gute Auswahl an Gästehäusern und kleinen Hotels; das Baltit Fort (UNESCO-Kandidat) ist ein zusätzliches kulturhistorisches Ziel. Der Blick vom Fort auf Rakaposhi (7788 m) und die Gletscherhänge ist einer der fotogensten des Karakorum.

Für den Baltoro-Trek zum K2: Mindestaufenthalt 14 bis 18 Tage. Die Basis Askole (3040 m) ist per Jeep von Skardu erreichbar (ca. 8 Stunden auf teilweise brutalem Weg). Ab Askole keine Motorfahrzeuge; alles zu Fuß oder auf Mulen. Der Trek ist anstrengend, teuer (Porter, Koch, Guide, Ausrüstung) und erfordert gute körperliche Verfassung — aber Concordia ist das K2-Basislager-Panorama, das auf keiner Bergfotografie fehlt.

Alle Gletscher Pakistans auf dieser Website sind auf der interaktiven Karte eingetragen.