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Top 10 Gletscher im Himalaya

Das Himalaya-Gebirgssystem erstreckt sich über rund 2400 Kilometer von Pakistan im Westen bis Myanmar im Osten und ist mit Karakorum und Hindukusch zusammen das größte Gletschersystem außerhalb der Polgebiete. Mehr als 15 000 Gletscher liegen im Einzugsgebiet; ihre Schmelzwässer speisen die großen Flusssysteme Süd- und Ostasiens (Ganges, Brahmaputra, Indus, Yangtze, Mekong). Über 200 Millionen Menschen hängen direkt von diesen Quellen ab.

1. Khumbu-Gletscher, Nepal (Mount Everest)

Talgletschertyp, rund 17 Kilometer lang, auf 4900 bis 5400 m. Der Khumbu-Eisbruch (Khumbu Icefall) — eine chaotische Zone kollabierender Seracs und sich verschiebender Spalten am oberen Ende des Gletschers — ist die gefährlichste Stelle auf dem Normalweg zum Everest (8849 m). Sherpas der Icefall Doctors richten die Leitern und Fixseile täglich neu ein. Das Everest Base Camp (5364 m) liegt auf der Moräne des Khumbu; reguläre Trekker erreichen es ohne Gletscherausrüstung auf dem EBC-Trek ab Lukla (12 bis 14 Tage).

2. Gangotri-Gletscher, Uttarakhand, Indien

Talgletschertyp, rund 30 Kilometer lang, Fläche ca. 286 Quadratkilometer. Der Gangotri ist die Hauptquelle des Bhagirathi, des Hauptarms des Ganges — damit heiliger Ort für Hindus. Gomukh (der „Kuhmund", 3892 m) ist der Austritt des Schmelzwassers und Pilgerziel. Zugang ab Gangotri-Stadt per Wanderweg (rund 18 km). Rückzug: rund 22 Meter pro Jahr nach WGMS-Daten; seit 1780 rund 2 Kilometer Rückzug an der Gletscherzunge.

3. Yamunotri-Gletscher, Uttarakhand, Indien

Kleiner Kargletscher auf rund 4421 m, Quelle der Yamuna (zweiter heiliger Fluss Indiens). Zugang per Pilgerweg ab Hanuman Chatti (13 km); Yamunotri-Tempel am Quellenausfluss. Im Gegensatz zum Gangotri wird der Yamunotri wenig von Bergsteigern besucht; das Gelände ist steil und erfordert alpine Erfahrung.

4. Siachen-Gletscher, Karakorum / Ladakh (Indien/Pakistan-Konfliktgebiet)

Siehe Pakistan-Artikel; der Siachen überquert die Grenzlinie und wird beiden Ländern zugerechnet. Wissenschaftlich dem Karakorum-System zugeordnet; der obere Teil liegt auf indischer Seite. Vollständig gesperrt.

5. Zemu-Gletscher, Sikkim (Kanchenjunga)

Talgletschertyp, rund 26 Kilometer lang, Fläche ca. 195 Quadratkilometer. Größter Gletscher Indiens und drittgrößter des Himalaya außerhalb Pakistans. Liegt an der Südostflanke des Kanchenjunga (8586 m), dem drittgrößten Berg der Erde. Zugang ist eingeschränkt — der Kanchenjunga-Bereich in Sikkim erfordert eine besondere Innerlinienfreigabe (Inner Line Permit). Trekking bis zum Green Lake Camp (4950 m) ist für genehmigungspflichtige Expeditionen zugänglich.

6. Drang-Drung-Gletscher, Ladakh, Indien

Talgletschertyp, rund 23 Kilometer, Fläche ca. 31 Quadratkilometer. Liegt auf dem Pensi La-Pass zwischen Kargil und Zanskar; der Jeepweg nach Padum überquert das Zungenvorfeld des Gletschers — einer der wenigen Himalaya-Gletscher, die direkt von einer Straße aus zu sehen sind. Zugänglich von Juli bis September, wenn der Pensi-La-Pass offen ist.

7. Pindari-Gletscher, Kumaon, Uttarakhand

Talgletschertyp, rund 3,5 Kilometer lang, Fläche ca. 3 Quadratkilometer. Einer der beliebtesten Trek-Ziele im Kumaon-Himalaya; Wanderweg ab Song (1929 m) über das Pindari-Valley ca. 40 Kilometer zur Zero Point (3820 m, Gletscherzunge). Grundlegende Bergausrüstung nötig; keine technischen Stellen. Saison: Mai bis Juni und September bis Oktober.

8. Nun-Kun-Gletscher, Ladakh / Jammu und Kashmir

Talgletschertyp am Nun-Kun-Massiv (Nun 7135 m, Kun 7077 m). Ausgangspunkt Panikhar im Suru-Tal. Der Gletscher ist Zugangsroute für Expeditionen auf die Nun-Kun-Gipfel; für erfahrene Trekker bis zum Basecamp zugänglich. Rund 15 Kilometer lang.

9. Pensilungpa-Gletscher, Zanskar, Ladakh

Talgletschertyp, rund 16 Kilometer, im Zanskar-System. Wenig erforscht; Teil des Gletscher-Netzwerks des Zanskar-River-Einzugsgebiets. Zugang ab Padum (Zankskar-Hauptort); mehrtägiger Trek nötig. Surging-Verhalten in historischen Quellen vermerkt.

10. Rongbuk-Gletscher, Tibet (China)

Talgletschertyp auf der Nordseite des Everest, rund 22 Kilometer lang. Das tibetische Everest-Basecamp (5150 m) liegt am Rongbuk; die chinesische Bergsteigergenehmigung ist erforderlich. Rongbuk-Kloster (5143 m) ist das höchstgelegene bewohnte Kloster der Erde. Zugang per Landcruiser ab Tingri über die Friendship Highway.

Hochlagen-Trekking-Genehmigungen

Nepal: Khumbu EBC trek benötigt TIMS-Karte und Sagarmatha-Nationalpark-Eintritt. Für Berge über 6000 m Bergsteigergenehmigung des Mountaineering Nepal (Nepal Mountaineering Association).

Indien: Für Touren im Staatsgebiet Ladakh/Uttarakhand gilt je nach Zone ein Innerlinienfreigabe-System; Genehmigungen sind in Delhi oder online beantragbar. Militärsperrgebiete sind strikt.

Tibet: Alle Reisen erfordern eine Tibet Travel Permit und ggf. Alien's Travel Permit für Grenzregionen; nur über chinesische Reiseveranstalter buchbar.

Gletscherschwund im Himalaya: Regionale Unterschiede

Die WGMS-Daten für den Himalaya zeigen eine klare räumliche Differenzierung. Östlicher und mittlerer Himalaya (Nepal, Bhutan, Ost-Indien): Rückzugsraten von 20 bis 60 Metern pro Jahr seit 1980; Gangotri verlor seit 1780 rund 2 Kilometer, mit Beschleunigung nach 1990. Westlicher Himalaya und Karakorum: Wie erwähnt historisch weniger Rückzug — aber der Puffer schwindet. Tibetische Seite (Rongbuk, Changtse): Monsunbeeinflusste Gletscher mit komplexerem Signal.

Ein spezifisch bedrohliches Phänomen: Gletscherseen (GLOFs — Glacial Lake Outburst Floods). Durch den Rückzug entstehen neue Proglazial-Seen, die durch Moränen eingeschlossen sind. Wenn eine Moräne bricht, schiebt die ausströmende Wassermasse als Mure talabwärts — mit zerstörerischer Kraft. Nepal, Pakistan und Bhutan haben in den letzten Jahrzehnten mehrere verheerende GLOFs erlebt. Die Zahl der neuen Gletscherseen hat sich im Himalaya zwischen 1990 und 2015 um rund 30 Prozent erhöht.

Trekking-Saisons und beste Perioden

Nepal (Khumbu, Annapurna): Oktober–November für Herbstsicht, März–Mai für Frühling; Monsunzeit Juni–September ist möglich, aber nass. Indien (Gangotri, Pindari): Mai–Juni und September–Oktober; Monsun schließt viele Zugangswege. Ladakh und Zanskar: Juli–August ist die beste Zeit bei offenem Pensi-La-Pass. Tibet: Mai–September für Rongbuk.

Khumbu: mehr als das Basislager

Der Everest Base Camp Trek (EBC-Trek) ist einer der meistbegangenen Bergwanderwege der Welt — und doch vermittelt er ein unmittelbares Erleben der Gletscherumgebung, das selbst erfahrene Alpenreisende überrascht. Die letzten fünf Kilometer vor dem Basislager führen über die Seitenmoräne des Khumbu-Gletschers: blankes Eis unter wenigen Zentimetern Geröll, Schmelzwassertümpel, Seracs im Hintergrund. Das Geräusch des Gletschers — Knacken, gelegentliches Rumpeln aus tiefen Spalten — begleitet die letzten Stunden des Anmarsches.

Für diejenigen, die nicht den vollen Trek absolvieren wollen: Der Flug nach Lukla (40 min ab Kathmandu) und ein mehrtägiger Aufenthalt in Namche Bazaar (3440 m) mit Tagesausflügen zu Syangboche und Tengboche gibt bereits sehr gute Gletscherblicke. Der Panoramaweg zum Everest View Hotel (3880 m) zeigt den Khumbu von der Seite ohne körperlich sehr fordernde Wanderungen.

Alle Himalaya-Gletscher auf dieser Website sind auf der interaktiven Karte eingetragen.