Die Gletscher Spitzbergens
Spitzbergen ist ein hocharktischer Archipel von fast sechzigtausend Quadratkilometern, davon etwa sechzig Prozent vergletschert. Von Longyearbyen aus ist der Kontrast sofort spurbar — schwarze Berge, weisses Eis, Meereis im Winter, Fjordblau im Sommer. Der Archipel ist auch der weltweit zugangigste Ort, um surgende arktische Gletscher zu sehen, und die einfachste Tidewater-Kuste ausserhalb der Antarktis.
Was Spitzbergen besonders macht
Kaltes Klima, Meeresfronten, Surge-Verhalten und ein aussergewohnlich gut aufgebautes Monitoring. Norwegische und internationale Forschung misst diese Gletscher seit dem fruhen 20. Jahrhundert; wir kennen ihre Veranderung daher ungewohnlich detailliert.
Austfonna
Die grosste einzelne Eiskappe Europas ausserhalb der polaren Eisschilde, bedeckt fast ganz Nordaustlandet. Ihre ostliche Bracebridge-Front ist in Surges schnell vorangerollt; die ubrigen Fronten ziehen sich meist zuruck.
Kronebreen und Kongsvegen
Ein Tidewater-Paar in Kongsfjorden, dank der Forschungsstation Ny-Alesund eines der meistuntersuchten Systeme. Kronebreen kalbt dramatisch; Kongsvegen ist langsamer und neigt zu Surges.
Nathorstbreen
Ein gewaltiger Surge-Gletscher im Sudspitzbergen mit dokumentierten Vorstossen von mehreren Kilometern in den letzten Jahrzehnten.
Monacobreen
Im Liefdefjorden, eine breite Tidewater-Front mit langer Kalbungs- linie. Standardstopp fur Fotos bei Expeditionskreuzfahrten ab Longyearbyen.
Negribreen
An der Ostkuste Spitzbergens, durchgehend in Surge-Vorstoss durch die spaten 2010er. Modernes Lehrbuchbeispiel der Surge-Mechanik — Wasser erreicht das Bett, der Gletscher beschleunigt um den Faktor zehn oder mehr.
Brasvellbreen
Die grosste einzelne Kalbungsfront des Austfonna, etwa 35 km breit im aktiven Zustand. Die beruhmten "Flusse-aus-der-Klippe"-Fotos sturzender Schmelzwasser am Front stammen vom Brasvellbreen.
Wie besuchen
Expeditionskreuzfahrten ab Longyearbyen sind der Standard. Kurzere Tagestouren per Zodiac aus der Stadt erreichen die inneren Fjorde. Spates Fruhjahr (Mai) gibt Skitouren; Juli/August lange Tage und Tidewater-Cruising; Winter Schneemobilzugang ins Innere fur erfahrene Gruppen.
Surge-Dynamik
Viele Gletscher Spitzbergens sind Surge-Typ: jahrzehntelang nahezu stagnierend, dann uber wenige Jahre 10- bis 100-fach beschleunigt und wieder ruhig. Ursache ist Schmelzwasser am Bett, das den Gletscher anhebt. Spitzbergen hat eine der weltweit hochsten Konzentrationen solcher Gletscher.
Klimawandel in der Hocharktis
Spitzbergen ist schneller erwarmt als fast jeder andere Ort der Erde — uber 4 Grad seit dem fruhen 20. Jahrhundert. Land-Gletscher ziehen sich zuruck; Surge-Systeme komplizieren das Bild noch. Kommende Jahrzehnte zeigen, ob Tidewater-Systeme warmeres Fjord- wasser uberleben.
Weiter entdecken
Filter "Surge-Typ" auf der interaktiven Karte zeigt die vielen Surge-Gletscher Spitzbergens nach Status farbig — aktiv, ruhend, zuruckweichend — auf Basis des Monitorings durch das Norwegische Polarinstitut.