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Mittel- und Seitenmoränen

Blickt man von oben auf den unteren Baltoro, den Tasman oder das Mer de Glace, fallen dunkle Streifen auf, die längs der Eisoberfläche verlaufen. Es sind Moränen — Anhäufungen von Gesteinsmaterial, das der Gletscher trägt. Ihre Geometrie ist alles andere als zufällig: Sie zeichnet die Topologie des Eisflusses, die Struktur des Einzugsgebiets und gelegentlich die Geschichte des Gletschers nach. Mit etwas Übung liest man einen Gletscher schon vom Aussichtspunkt aus.

Was ist eine Moräne?

Im weitesten Sinn: vom Gletscher transportiertes Gesteinsmaterial. Außerhalb des Eises ist „Moräne" meist ein abgelagerter Rücken oder Schleier von Sediment. Auf dem Eis unterscheidet man Seiten-, Mittel-, Supra-, Intra- und englaziale Moränen.

Seitenmoränen

Verlaufen seitlich am Gletscher. Quellen:

Seitenmoränen bilden auf der Oberfläche oft ausgeprägte Schuttkämme, manchmal mehrere Meter über dem umliegenden Eis, weil das geschützte Eis darunter langsamer schmilzt.

Mittelmoränen

Eine Mittelmoräne entsteht, wo zwei Tributäre zusammenfließen. Die Seitenmoräne rechts des einen und die links des anderen werden zusammengedrückt und ziehen als ein Streifen den Hauptstrom hinab. Zähle die Mittelmoränen, du zählst die Nebenarme.

Am Baltoro lassen sich von Concordia abwärts fünf bis sechs klare Mittelmoränen erkennen — jede markiert einen eigenen Zubringer.

Englaziale und basale Moränen

Material kann auch im Inneren wandern — vor allem entlang Scherflächen zwischen Eismassen — oder direkt am Bett. Erreicht es später die Oberfläche, weil das Eis darüber abgeschmolzen ist, taucht ein neues Schuttband mitten in einem sonst sauberen Gletscher auf.

Was Moränen verraten

Lesen aus der Höhe

Von einem typischen Aussichtspunkt aus:

  1. Mittelmoränen vom Kar abwärts zählen — Tributäre identifizieren.
  2. Jeden Streifen zur Quellzusammenfluss zurückverfolgen.
  3. Beobachten, wie Streifen sich biegen oder dicker werden — ungleichmäßiger Fluss oder ungleiche Lieferung wird sichtbar.
  4. Höhe der Seitenmoränen über der aktuellen Eisfläche prüfen — schneller Indikator für Dünnerwerden.

Moränenablagerung und Landschaft

Zieht sich ein Gletscher zurück, bleiben Seiten- und Endmoränen als Rücken in der Landschaft zurück — lange nach dem Eis. Die Kleine-Eiszeit-Moränenkränze in Alpentälern sind heute noch klar sichtbar. Sie sind unsere Quelle dafür, wo Eis in Tälern stand, in denen heute nur noch wenig oder gar kein Eis liegt.

Alle auf einen Blick

Die interaktive Karte hebt besonders klare Mittelmoränen-Systeme fotografierter Gletscher hervor — gutes Training fürs Auge vor einer Baltoro- oder Tasman-Reise.