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Spalten und Seracs

Gletschereis ist ein seltsames Material. In der Tiefe fliesst es wie eine Flussigkeit, nahe der Oberflache verhalt es sich sprode. Das Ergebnis dieser doppelten Personlichkeit sind die dramatischen Spalten- und Serac-Landschaften der ikonischen Gletscherbilder.

Wie Spalten entstehen

Wenn der Gletscher uber unebenen Untergrund fliesst — eine Stufe, eine Ecke, eine Engstelle — wird die Oberflache gedehnt. Tiefer als rund 30 m ist das Eis plastisch genug, um zu fliessen, ohne zu brechen. Daruber ist es sprode. Das Ergebnis: Oberflachenrisse offnen sich zu tiefen Spalten.

Typische Spaltentiefen: 20-40 m. Auf schnellen Gletschern auch breiter als 10 m. Die meisten Gletscherunfalle sind Sturze durch Schneebrucken, die Spalten verbergen.

Schneebrucken

Frischer Schnee deckt Spalten mit zerbrechlichen Brucken zu. Gehen bei schlechter Sicht, bei Neuschnee oder abseits markierter Routen ist gefahrlich, weil verdeckte Spalten nicht sichtbar sind. Seilteam- Bewegung ist das Sicherheitsfundament: stuerzt einer ein, halten die anderen und ziehen heraus.

Seracs

Seracs sind turmartige Eissaulen, die dort entstehen, wo sich zwei oder mehr Spalten kreuzen. Haufig in Eisfallen — schnellen, steilen Abschnitten — und am Rand grosser Gletscher. Sie sturzen unvorhersehbar und haben viele Alpinisten getotet, etwa im Khumbu-Eisfall.

Spaltenmuster lesen

Vom Balkonblick uber einen Gletscher lasst sich aus dem Spaltenmuster die Fliessrichtung und Bettgeometrie ablesen:

Sicherheit kurz

Wer nicht angeseilt ist, hat hinter den Fuhrermarken nichts auf dem Eis zu suchen. Punkt.

Auf der Karte erkunden

Die interaktive Karte markiert grosse Spaltenzonen und Eisfalle auf uberwachten Gletschern — als Vorbereitung nutzlich, aber kein Ersatz fur einen lokalen Fuhrer.