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Ausrüstung für Gletschertrekking

Gletschertrekking verlangt eine andere Ausrüstungsstrategie als alpines Wandern. Die Oberfläche ist glatt, uneben und mit Schmelzwasser durchzogen; Wetter kann sich schnell ändern; und der Kontakt mit dem Eis stellt spezifische Anforderungen an Reibung, Isolation und Notfallkapazität. Die folgende Liste deckt die Pflichtausstattung für Touren ab, auf denen ein ausgebildeter Bergführer anwesend ist und Gruppenausrüstung (Seile, Eisschrauben) mitbringt. Wer eigenständig in gespaltenes Terrain geht, braucht zusätzlich fortgeschrittenes Bergrettungsmaterial.

Steigeisen

Steigeisen sind das zentrale Werkzeug auf blankem Eis. Für die meisten geführten Gletschertouren und Hochtouren reichen Steigeisen mit zehn bis zwölf Zacken und einer Rahmenbindung oder Korbbindung. Zwei bewährte Modelle:

Petzl Vasak (10 Zacken): Leichtes Universalsteigeisen mit Rahmenbindung für steifen Bergschuh. Gut geeignet für gemischte Touren auf Eis und Firn, einfach anzulegen, zuverlässig unter wechselnden Bedingungen. Gewicht: rund 690 Gramm pro Paar.

Grivel G12 (12 Zacken): Klassisches Hochtouren-Steigeisen mit Korbbindung, kompatibel mit halbsteifen bis steifen Bergschuhen. Die zwei Frontzacken sind senkrecht angeordnet und erlauben bei Bedarf auch einfaches Eissteigen. Gewicht: rund 730 Gramm.

Beide Modelle verlangen steifen Schuh: Ein normaler Wanderschuh ohne Torsionssteifigkeit ist mit Steigeisen unsicher; die Bindung kann sich lösen oder der Schuh unter Last kippen. Mindestens einen Halbsteifschuh mit definierter Vordersohlensteifigkeit wählen.

Eispickel

Der Eispickel dient zur Fortbewegungsstütze auf Firn und Eis, als Bremswerkzeug bei einem Sturz (Selbsthalt) und als Verankerungsmittel in Notsituationen. Für Wanderungen auf flachen bis mittelsteilen Gletschern ist ein gerader, mittelkurzer Pickel (55 bis 65 cm je nach Körpergröße) richtig. Kürzere, stark gebogene Pickel sind für steiles Eissteigen optimiert und im Hochtouren-Trekking unpraktisch.

Die Schaftlänge ist korrekt, wenn der Pickel beim aufrechten Stand mit dem Schlägel auf dem Boden die Handgelenke leicht abgewinkelt hält.

Klettergurt, Abseilgerät und Helm

Auf Gletschern mit Spaltenterrain gehört ein Gurt zur Standardausrüstung, da man im Spaltenfallfall gehalten werden muss. Ein einfacher Sitzgurt mit vier Materialschlaufen ist ausreichend; Brustgurt-Kombination erhöht die Haltung im Sturz. Abseilgerät (Acht oder Tube-Style) und HMS-Karabiner ergänzen den Gurt für das Abseilen und die Sicherungsaufgaben im Bergungsfall.

Helm ist auf aktiven Gletschern mit Seracsbereich und potenziell fallendem Eis Pflicht. Auf flachen Gletscherplateaus ist er weniger kritisch, aber ein gutes Habit. Für Eiskletter-Einheiten: immer.

Seil

Eine Zweier-Seilschaft benötigt mindestens 30 Meter Halbseil (8 bis 9 mm) oder Doppelseil. Für Dreier-Seilschaften ist ein 50-Meter-Halbseil Standard, das aufgeteilt 16 bis 17 Meter Abstand zwischen je zwei Personen lässt. Das Seil sollte trockenimprägniert sein (Dry-Behandlung), da nasses Seil deutlich schwerer und steifer wird.

Prusik-Knoten und Flaschenzugmaterial

Zwei Prusikschnüre (5 bis 6 mm Reepschnur, 1 bis 1,5 Meter Länge) sind unverzichtbar für die Spaltenbergung. Dazu kommen zwei bis drei Karabiner (HMS plus Schraubkarabiner) und ein kurzes 120-Zentimeter-Bandschlingenset. Wer eigenständige Bergung übernehmen muss, braucht zusätzlich eine Umlenkrolle (Micro-Traxion oder einfache Umlenkrolle).

Schneebrille und Gletscherbrille

Reflexion von Sonne auf Schnee und Eis erzeugt eine UV-Belastung, die bei wolkenlosem Himmel und über 2000 Meter Höhe sehr hoch ist. Eine Schneebrille der Kategorie 4 (Lichtdurchlässigkeit 3 bis 8 Prozent) mit vollständigem Seitenschutz und geschlossener Fassung ist Standardausrüstung. Reguläre Sonnenbrillen der Kategorie 3 bieten auf Gletschern nicht ausreichend Schutz.

Alternativ: Gletscherbrillen mit Metallfassung und Lederblenden an den Seiten — das klassische Design der Pionierbergsteiger, das noch immer funktioniert. Für starken Schneefall gilt: Skibrillen mit Gelb- oder Orangefilter verbessern die Kontrasterkennung von Geländestrukturen.

Hardshell-Kleidung und Gamaschen

Auf Gletschern ist Wasserdichtigkeit wichtiger als maximale Atmungsaktivität. Schmelzwasserbäche, Regen und Gischt an Kalbungsfronten machen eine 3-Lagen-Hardshell (mit vollständig verschweißten Nähten) zur richtigen Wahl. Kapuze mit Helmanpassung ist sinnvoll.

Gamaschen schützen Schuhwerk vor Schneeeinwehen beim Gehen im Altschnee, halten Steine aus dem Schuh und isolieren den unteren Knöchelbereich zusätzlich. Kürzere Gamaschen (Halbgamaschen) reichen für Sommergletschertrekking aus.

Stirnlampe und Biwaksack

Frühaufbrüche bei Dunkelheit oder Ortsveränderungen bei unvorhergesehenem Wetterumsturz erfordern eine zuverlässige Stirnlampe. Lithium-Akkus sind bei Minustemperaturen den Alkalibatterien überlegen; Kapazität von mindestens 200 Lumen, IP67-Wasserdichtigkeit empfohlen.

Ein leichter Biwaksack (unter 300 Gramm) ist Pflichtinhalt im Rucksack. Er rettet in Notsituationen Zeit und Körperwärme: als Isolationsschicht beim erzwungenen Biwak, als Windschutz bei Verletzten, als visuelle Signalfarbe (üblicherweise Signal-Orange) für die Bergrettung.

Rucksack und Verpflegung

Ein Tagesrucksack mit 20 bis 25 Litern Volumen reicht für eine geführte Gletschertour aus. Wichtige Inhalte: mindestens 2 Liter Trinkwasser (Schmelzwasser von der Gletscheroberfläche ist trinksicher, sollte aber aus Quellen genommen werden, nicht aus Schmelzpfützen nahe Tierlagern), kalorienreiche Snacks (Nüsse, Energieriegel), Erste-Hilfe-Mini-Set, wechselsocken in wasserdichtem Sack. Sonnencreme und Sonnenschutz für Lippen sind unverzichtbar; Gletscheroberflächen reflektieren bis zu 90 Prozent der UV-Strahlung.

Auf mehrtägigen Hochtouren erweitert sich der Ausrüstungsbedarf erheblich: Biwaksack oder Zelt (je nach Hüttenverfügbarkeit), Kocher und Treibstoff für Schneeschmelze, Mehrzweckmesser, Reparaturset für Steigeisen (Schraubenzieher, Ersatzschrauben), und Notfallpfeife oder Signalspiegel ergänzen die Grundausrüstung.

Bergschuhe: das wichtigste Einzelstück

Alle anderen Ausrüstungsteile sind nutzlos, wenn der Schuh nicht stimmt. Für Steigeisen mit Korbbindung braucht man einen Halbsteif- oder Vollsteifschuh, der sich nicht im Vordersohlenbereich biegen lässt. Ein weicher Wanderschuh erlaubt das Steigeisen nicht sicher zu halten; bei steilerem Terrain und Tritt in Stufen kann die Bindung brechen oder sich lösen.

Marken und Modelle sind weniger wichtig als die korrekte Passform und Steifigkeit. Vor der Tour die Steigeisen testweise anlegen und auf flachem Boden gehen — passt, hält, kein Spiel, Schuh lässt sich nicht im Vordersohlenbereich biegen. Das ist die Prüfung.

Was der Bergführer mitbringt

Auf kommerziellen Gletscherführungen stellt der Bergführer in der Regel: Steigeisen (Leihausrüstung in mehreren Größen), Helme, Klettergurt und Sicherungskarabiner, Seil, Eispickel für Gäste ohne eigene Ausrüstung, Erste-Hilfe-Set für das Team. Was Gäste immer selbst mitbringen müssen: Schuhe, Kleidung, Verpflegung, Sonnenschutz, Brille. Vor der Buchung beim Anbieter genau nachfragen, was inklusive ist.

Packliste nach Region

Das Ausrüstungsniveau variiert erheblich je nach Ziel. Für eine geführte Halbtags-Gletscherwanderung auf dem Athabasca in Kanada oder dem Morteratsch in der Schweiz genügt warme Kleidung, Steigeisen (Leihausrüstung inklusive), Sonnenbrille und Rucksack. Für eine Hochtourendurchquerung im Karakorum (Baltoro, Biafo-Hispar) ist die komplette alpinistische Ausrüstung — plus Expeditionszelt, Gaskocher, Notfallmedikamente und Kommunikationsgerät — unentbehrlich.

Die goldene Regel: Was der Bergführer nicht stellt, muss der Gast selbst mitbringen. Was der Gast nicht braucht, schleppt er umsonst bergauf. Vor der Tour beim Anbieter nachfragen, was inklusive ist — und den Rest zu Hause lassen.

Alle auf dieser Website dokumentierten Gletscher sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Beim Planen der Ausrüstung hilft die regionale Detailansicht, um Zugangsweg, Höhe und damit den Ausrüstungsbedarf richtig einzuschätzen.