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Gletscher am Kilimandscharo und in Ostafrika

Dass Eis am Aquator existiert, war fur die europaische Wissenschaft jahrhundertelang verbluffend. Drei ostafrikanische Massive tragen bis heute Eis — knapp — und ihr Schwund im letzten Jahrhundert ist eines der eindringlichsten visuellen Belege des Klimawandels. Keines dieser Eisfelder durfte das 21. Jahrhundert uberstehen. Es jetzt zu sehen heisst, eine verschwindende Sache zu sehen.

Warum Eis am Aquator

Hohe. Ab etwa 4 500 m sammelt sich Schnee selbst am Aquator ganzjahrig. Die Berge ragen weit genug in dauerhaft gefrierende Luftschichten. Jedes Massiv ist eine kalte Insel im warmen Tropenhimmel.

Kilimandscharo

Der beruhmteste. Afrikas hochster Punkt mit 5 895 m, mit Gipfel- gletschern, die das Bild des schneebedeckten Berges pragten. Hemingways "Schnee am Kilimandscharo" erschien 1936 — damals deckte das Eis rund 12 km2. Heute bleibt ein Quadratkilometer. Northern Icefield, Furtwangler-Gletscher und Eastern Icefield sind die Reste.

Mount Kenya

Knapp sudlich des Aquators, 5 199 m. Trug 1900 neunzehn Gletscher; heute noch knapp zwei (Lewis und Tyndall), beide praktisch Reste. Der Berg bleibt ein aussergewohnliches Klettererlebnis, aber im Fels statt im Eis.

Ruwenzori

Die "Mondberge" an der Grenze Uganda-DR Kongo. 1906 noch uber 40 Gletscher; heute vielleicht drei oder vier kleine Reste. Stanley- Massiv (5 109 m), Speke und Baker waren einst grosse Eisberge. Das Klima ist nass — was paradox die Eisverluste beschleunigt.

Warum sie verschwinden

Weniger steigende Lufttemperatur als verringerte Bewolkung und dadurch verstarkte Sonneneinstrahlung am Eis. Tropengletscher sind ungewohnlich empfindlich gegen kurzwellige Strahlungsbilanz. Geringere Niederschlage in manchen Massiven verstarken den Effekt.

Besuch Kilimandscharo

Die ublichen Trekkingrouten (Marangu, Machame, Lemosho, Rongai) gipfeln am Uhuru Peak. Das Northern Icefield sieht man im Abstieg. Eisnahe Routen verlangen die Western Breach — anspruchsvoll und derzeit wegen Steinschlag geschlossen.

Besuch Mount Kenya

Die Sirimon-Naro-Moru-Traversierung fuhrt vorbei an Lewis und Tyndall zum Point Lenana (4 985 m). Der technische Gipfel Batian (5 199 m) ist heute reine Felskletterei.

Besuch Ruwenzori

Der Central Circuit Trail (8-9 Tage) erreicht das Stanley-Massiv mit seinen Resten. Nass, matschig, viel weniger Andrang als am Kilimandscharo. Eine ernsthafte Sache und eine der grossen Bergreisen Afrikas.

Wissenschaftlicher Wert

Tropengletscher-Eisbohrkerne liefern einige der wichtigsten Klimaarchive der letzten Jahrtausende — am bekanntesten die Quelccaya-Kappe in Peru, aber auch die Kilimandscharo-Kerne von Thompson et al. sind zentral.

Wohin zuerst?

Die interaktive Karte legt die heutige Eisflache der drei Massive uber die Stande von 1900, 1960 und 2000 — ein beklemmender Direktvergleich an den charismatischsten verschwindenden Gletschern der Welt.