Top 10 Gletscher in den USA
Die USA besitzen Gletscher in zwei sehr unterschiedlichen Regionen: Alaska mit seinen riesigen Talgletschern, Eisfeldern und Tidewater-Gletschern, und die kontinentale USA, wo die Rocky-Mountain-Gletscher in Montana, Wyoming und Colorado rapide schrumpfen. Bering Glacier in Alaska ist der flächenmäßig größte Gletscher Nordamerikas; Grinnell Glacier in Montana steht als Symbol für das Verschwinden der kontinentalen Gebirgsgletscher unter Klimabedingungen, die die Gleichgewichtslinie über die Gletscherflächen hinausgeschoben haben.
1. Mendenhall-Gletscher, Alaska (Juneau)
Talgletschertyp, rund 21 Kilometer lang, ausläuferförmig vom Juneau Icefield. Besonderheit: Mendenhall ist der einzige Gletscher der Liste, der per Bus aus einer US-amerikanischen Stadtmitte erreichbar ist — Juneau liegt keine 20 Kilometer entfernt. Der Juneau Icefield Research Program (JIRP) nutzt den Gletscher als Lehrgangsstandort. Mendenhall-Eishöhlen entstehen jährlich durch Schmelzwasserkanäle; der Zugang erfordert Kajakfahrt und Guide. Rückzug: rund 2,8 Kilometer seit 1958. Besucherzentrum des US Forest Service geöffnet täglich von Mai bis September.
2. Hubbard-Gletscher, Alaska
Größter Tidewater-Gletscher Nordamerikas: Länge 122 Kilometer (aus dem St. Elias-Eisfeld), Kalbungsfront 10 Kilometer breit und bis 90 Meter über dem Wasser. Besonders: Hubbard rückt vor. Zwischen 1986 und 2002 blockierte er zweimal die Zufahrt zum Russel Fjord, staute einen temporären Süßwassersee und öffnete ihn wieder katastrophal. Zugang nur per Kreuzfahrtschiff oder Flugzeug; Yakutat (AK) ist die nächste Stadt.
3. Margerie-Gletscher, Glacier Bay, Alaska
Tidewater-Gletscher, rund 35 Kilometer lang, 1,6 Kilometer breite Kalbungsfront, 85 Meter hoch über dem Wasser. Im Glacier Bay Nationalpark (UNESCO-Welterbe); Kreuzfahrtschiffe und Nationalpark-Ranger-Boote fahren täglich vor die Front. Die Kalbungsaktivität ist regelmäßig und gut beobachtbar; Mini-Tsunamis von 1 bis 2 Meter Höhe erzeugen Wellen bis zu den Schiffen.
4. Knik-Gletscher, Alaska (Anchorage)
Talgletschertyp, rund 50 Kilometer lang. Einer der wenigen großen alaskanischen Gletscher, der mit einem Geländewagen von Anchorage (rund 150 km) zugänglich ist. Der Knik ist auch Schauplatz des Iditarod Trail Sled Dog Race im frühen Abschnitt. Schmelzwassersee an der Zungenfront; Eisberge.
5. Matanuska-Gletscher, Alaska
Größter Talgletscher, der direkt von einer US-amerikanischen Straße (Glenn Highway, 160 km von Anchorage) aus zugänglich ist: ca. 43 Kilometer lang, rund 5 Kilometer breit. Mehrere kommerzielle Anbieter bieten geführte Eiswanderungen auf die Gletscheroberfläche an, inklusive Steigeisen-Verleih. Ganzjährig erreichbar; im Winter sind die Eisbedingungen ideal für Eisklettern.
6. Exit-Gletscher, Kenai Fjords Nationalpark
Talgletschertyp, rund 12 Kilometer lang. Einziger per Landweg erreichbarer Gletscher im Kenai Fjords Nationalpark; Zufahrt ab Seward, AK. Wanderweg zur Gletscherzunge (2 km, leicht); Aufstieg zur Ausichtspunkt-Kante mit Blick auf das Harding Icefield (rund 1000 km² Eisfeld darüber) ca. 6 Stunden. Rückzug: 300 Meter in den letzten zwanzig Jahren; Tafeln entlang des Weges zeigen den Stand in Zehn-Jahres-Intervallen.
7. Grinnell-Gletscher, Glacier Nationalpark, Montana
Kargletscher, rund 0,8 Quadratkilometer (Stand 2020). Der bekannteste Gletscher im Glacier Nationalpark, eines der bestdokumentierten Schrumpfungsbeispiele der USA. 1910 war er rund 2,8 Quadratkilometer groß. Nach derzeitigen Modellen verschwindet er bis 2030 vollständig. Wanderweg ab vielen Glacierfarm-Trailheads ca. 11 Kilometer; leicht bis moderat. USGS Repeat Photography Project dokumentiert den Rückzug mit identischen Fotos aus identischen Standpunkten seit 1850.
8. Sperry-Gletscher, Glacier Nationalpark, Montana
Kargletscher, rund 0,3 Quadratkilometer (2019). Kleiner als Grinnell, aber mit dem Sperry Chalet — einem historischen Hüttencamp aus der Gletscherparkgründungszeit (1913) — kombinierbarer Tagesausflug oder Übernachtung. Der Gletscher ist im August/September begehbar (auf Moräne, kein Eis); für Sicherheitsberatung Nationalpark-Ranger kontaktieren.
9. Bering-Gletscher, Alaska
Größter Gletscher Nordamerikas in der Gesamtfläche: rund 5200 Quadratkilometer. Talgletschertyp, ca. 190 Kilometer lang aus dem Bagley Icefield in der Wrangell-St. Elias Region. Der Gletscher ist ein bekannter Surge-Gletscher: Letzte signifikante Surge-Episoden 1993–1995 und 2008–2011. Kein regulärer Touristenzugang; Flugzeug ab Yakutat oder Cordova.
10. Worthington-Gletscher, Alaska
Talgletschertyp nahe Valdez (Alaska), rund 6 Kilometer lang. Direkt vom Richardson Highway (Hwy 4) sichtbar, ca. 50 Kilometer nördlich von Valdez. Einfacher Wanderweg zur Gletscherfront; Eiskletterbereich im Winter für Kurse genutzt. Ganzjährig per Straße erreichbar; selten überfüllt.
Glacier Bay Nationalpark
Glacier Bay ist ein UNESCO-Welterbegebiet und zeigt in komprimierter Form Gletscherdynamik auf Jahrzehntskala: 1750 war die gesamte Bucht vergletschert; heute sind nur die oberen Fjordenden durch aktive Gletscher besetzt. Die Parkranger-Schifffahrt mit Live-Kommentar ist die beste Einführung für Erstbesucher.
Glacier Nationalpark: was bleibt
Als der Glacier Nationalpark 1910 gegründet wurde, enthielt er schätzungsweise 150 Gletscher, die den Mindestdefinitionswert von 0,1 Quadratkilometer erfüllten. Heute erfüllen nur noch 26 Gletscher diese Definition (Stand 2015). Die USGS Glacier National Park Glaciers Monitoring-Studie prognostiziert, dass bei aktuellem Emissionspfad alle verbleibenden Gletscher bis 2030 bis 2040 verschwunden sein werden.
Der Parkname selbst ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion: Ab wann ist ein Nationalpark ohne seine namensgebende Erscheinung sachlich korrekt benannt? Die Parkverwaltung hat bislang keine Umbenennung vorgeschlagen, aber die Interpretations-Tafeln haben sich tiefgreifend verändert: weg vom statischen Naturdenkmal, hin zum lebendigen Zeugnis des Klimawandels.
Alaska: das Gletscherreservoir Nordamerikas
Alaska beherbergt etwa 27 000 Gletscher, die zusammen rund 75 000 Quadratkilometer bedecken — mehr als die Gesamtfläche der Gletscher aller anderen US-Bundesstaaten um den Faktor 1000 übertroffen. Das Bering-Glacier-System allein übertrifft flächenmäßig den Schweizer Gletscherbestand. Nach NASA-Daten (Altimetry-Messungen) verliert Alaska-Eis rund 75 Gigatonnen pro Jahr — und damit etwa 0,2 mm/Jahr Meeresspiegelbeitrag allein aus diesem Bundesstaat.
Für Touristen: Alaska-Gletscher sind vielfältig zugänglich, von Straßen (Matanuska, Worthington), über Bootstouren (Hubbard, LeConte, Glacier Bay) bis zu Flugzeug und Hubschrauber (Bering, Knik). Ein einwöchiger Alaska-Gletschertrip, der Anchorage als Basis nutzt, kann vier bis fünf verschiedene Gletschertypen und Zugangsmethoden verbinden.
Mendenhall: Eishöhlen und saisonale Zugänglichkeit
Die Eishöhlen des Mendenhall-Gletschers entstehen jedes Jahr neu durch Schmelzwasserkanäle, die sich durch das Eis nagen — und verschwinden im folgenden Sommer wieder. Die Zugänglichkeit ist saisonabhängig und ändert sich von Jahr zu Jahr: In manchen Wintern sind die Höhlen mit Kajak oder Packraft erreichbar, in anderen nur über eine Eiswanderung. Der Zustieg erfordert eine Führungsgenehmigung; mehrere Outfitter in Juneau bieten Winter-Eishöhlentouren an (Dezember bis März).
Das Mendenhall-Visitor Center liegt 15 Kilometer vom Juneau-Stadtzentrum entfernt und ist mit Linienbus erreichbar — einzigartig für einen bedeutenden US-Gletscher. Der Nugget Falls Trail (2 km, leicht) führt zum Wasserfall unmittelbar neben der Gletscherfront und ist für Kreuzfahrtpassagiere in Juneau als Ausflug gut geeignet.
Alle US-amerikanischen Gletscher auf dieser Website sind auf der interaktiven Karte eingetragen.